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Kopfschmerzen – Symptome, Ursachen und Therapiemöglichkeiten

Fast jeder Mensch litt schon einmal unter Kopfschmerzen. Dabei stellt der Kopfschmerz ein Symptom dar, dessen Ursachen äußerst vielfältig und meist harmlos sind. Jedoch ist es nicht möglich nur anhand von Symptomen mit absoluter Sicherheit die Ursachen der Kopfschmerzen zu ermitteln, wobei diese klinischen Angaben oft wegweisend sind. Vor allem gibt es auch Alarmsymptome, die einen Arztbesuch notwendig machen. In diesem Blog soll beschrieben werden, welche Symptomqualitäten unterschieden werden, welche als Alarmsymptome bezeichnet werden, wie man sich dabei verhalten sollte und welche häufige Ursachen für Kopfschmerzen allgemein bestehen.

Symptome – Man unterscheidet folgende Symptomqualitäten:

  • Wo ist der Kopfschmerz lokalisiert?

Dabei gibt es im Prinzip keine Einschränkungen. Der Schmerz kann vorne, hinten, seitlich, oben oder über den gesamten Kopf verteilt lokalisiert sein. Ebenso wichtig ist, ob der Schmerz in eine bestimmte Region zieht oder streng einseitig ist.

  • Wie fühlt sich der Kopfschmerz an?

Man kann den Schmerz als drückend, pochend, stechend oder bohrend beschreiben.

  • Wie stark ist der Kopfschmerz?

Der Arzt nutzt zur Schmerzangabe häufig eine Skala, die es erlaubt den Schmerz zwischen Patienten aber auch im Verlauf einigermaßen zu vergleichen. Dabei bedient man sich der so genannten „visuellen Analogskala“ (=VAS), die von 0 (=Schmerzfreiheit) bis 10 (oder 100 = stärkster Schmerz den man sich vorstellen kann) reicht. 

  • Seit wann besteht der Kopfschmerz?

Dabei gibt es auch keine Einschränkung. Der Schmerz kann nur wenige Sekunden dauern oder bis zu Wochen anhalten. Es ist nur wichtig zu unterscheiden, ob der Schmerz die ganze Zeit über vorhanden ist oder ob es auch Zeitpunkte gibt, in denen Schmerzfreiheit, also eine 0 auf der VAS, angegeben werden kann. In diesem Fall ist es ebenso wichtig zu erwähnen wie oft der Kopfschmer bereits  auftrat und wie lange jede Schmerzepisode gedauert hat.

  • Wie fing der Kopfschmerz an?

Das ist eine sehr wichtige Frage, da man zwischen Kopfschmerzen unterscheiden muss, die plötzlich angefangen haben oder sich allmählich bemerkbar machen. Ebenso sollte erwähnt werden, ob es einen konkreten Auslöser für den Kopfschmerz gab. Das kann im einfachsten Fall ein Sturz auf den Kopf gewesen sein.

  • Gibt es Dinge, die den Schmerz lindern/verstärken?

Die Kopfschmerzen könnten sich beispielsweise verstärken bei Sport, beim Vorbeugen, bei erhöhter Geräuschkulisse, bei Helligkeit oder beim Blick nach oben.

  • Hat sich der Kopfschmerz verändert?

In einigen Fällen kann der Schmerz im Laufe der Zeit die bisher geschilderten Qualitäten verändern. Tritt das auf, sollte man das im ärztlichen Gespräch erwähnen. Beispielsweise kann der Schmerz stärker/schwächer werden, die Lokalisation verändern oder mit zusätzlichen Symptomen behaftet sein.

  • Gibt es weitere Symptome?

Treten Symptome neben dem eigentlichen Kopfschmerz auf, sollte dies ebenfalls im ärztlichen Gespräch erwähnt werden. Dabei kann es sich um Übelkeit, Erbrechen, vermehrtes Schwitzen, gerötete Schleimhaut der Augen, gerötete Haut, Sehstörungen, Sprachstörungen, gesteigerte Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit, Fieber, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Benommenheit, Bewusstseinstrübung, handeln. 

  • Gab es Kopfschmerzen bei Familienangehörigen?

Oft leiden Familienangehörige ebenfalls unter regelmäßigen Kopfschmerzen.

  • Gibt es sonstige bekannte Grunderkrankungen?

Einige Grunderkrankungen können ebenfalls Kopfschmerzen auslösen, sodass es überaus wichtig ist, diese zu erwähnen.

  • Werden/Wurden Medikamente eingenommen? 

Kopfschmerzen können auch durch Medikamente entstehen. Im ärztlichen Gespräch sollte jede Dauermedikation angegeben werden. Ebenso wichtig ist es Medikamente zu erwähnen, die man auch zur Schmerzlinderung eingenommen hat wie beispielsweise Aspirin oder Paracetamol.

Im Allgemeinen muss man bei Kopfschmerzen nicht unbedingt den Arzt aufsuchen. Es gibt jedoch bestimmte Symptome, die als „Alarmsymptome“ bezeichnet werden. Diesen können gefährliche Ursachen zugrundeliegen. Bei folgenden Symptomen sollte man einen Arzt aufsuchen:

  • Plötzlich einsetzender, extrem starker Kopfschmerz
  • Begleitende Übelkeit und Erbrechen (bei Migräne regelmäßig)
  • Nackensteifigkeit
  • Hohes Fieber
  • Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung
  • Lang anhaltende oder zunehmende Kopfschmerzen (nach einer Kopfverletzung)
  • Neurologische Symptome (siehe unten)
  • Starke Kopfschmerzen während der Schwangerschaft

Ursachen für Kopfschmerzen:

Wie schon erwähnt, können die Ursachen für Kopfschmerzen sehr vielfältig sein. Anhand der oben genannten Schmerzqualitäten kann man zumindest Verdachtsdiagnosen stellen, die mit einer körperlichen Untersuchung durch den Arzt, Blutwerten und CT oder MRT-Aufnahmen des Kopfes ausgeschlossen oder bekräftigt werden können. 

Man unterscheidet primäre Kopfschmerzen von sekundären und tertiären Formen. Primäre Kopfschmerzen stellen dabei Kopfschmerzen dar, die nur symptomatisch, also schmerzlindernd bekämpft und nicht geheilt werden können. Hinter sekundären Formen verstecken sich hingegen Erkrankungen, die bekämpft werden müssen, da sie bei erfolgreicher Therapie zu Schmerzfreiheit führen können oder bei ausbleibender Therapie zu bleibenden Gesundheitsschäden bis zum Tod führen könnten. Daher ist es prinzipiell IMMER notwendig bei neurologischen Symptomen, wie sie bei sekundären Kopfschmerzen beschrieben werden, einen Arzt aufzusuchen. Tertiäre Kopfschmerzen sind prinzipiell Nervenschmerzen, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Im Folgenden seien nur die wichtigsten differentialdiagnostischen Kopfschmerzformen aufgezählt:

Anmerkung: Für die Diagnose müssen nicht alle Symptome auftreten.

Primäre Kopfschmerzen:

Migräne sehr wahrscheinlich bei:

Kopfschmerzen die 4 bis 72 Stunden andauern, einseitigen Kopfschmerzen, pulsierend, mittlere bis starke Intensität, Verstärkung der Schmerzen durch Bewegung, mehr als 15 Schmerzattacken in einem Monat für 3 Monate, Kopfschmerzen regelmäßig vorkommend bei Familienangehörigen, Übelkeit,  Erbrechen, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit.

Bei 10 – 15% der Migränepatienten gibt es eine so genannte „Aura“, die vor dem Kopfschmerz auftreten kann. Dabei handelt es sich um neurologische Symptome, die zwischen 5 und 60 Minuten anhalten können und schließlich in den Kopfschmerz übergehen. Selten kann eine Aura auch ohne Kopfschmerz auftreten. Bei der Aura kann es sich um Sehveränderungen wie Lichtflackern, Lichtblitze oder Sehverlust, Kribbeln oder Taubheitsgefühl der Arme oder Beine oder Sprachstörungen handeln. Keinesfalls sind Lähmungen Teil einer Migräneaura!

Spannungskopfschmerz sehr wahrscheinlich bei:

Kopfschmerzen die 30 Minuten bis 7 Tage andauern, beidseitig, drückend, beengend, leichte bis mittlere Schmerzintensität, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit.

Clusterkopfschmerz sehr wahrscheinlich bei:

Kopfschmerzen die 15 bis 180 Minuten andauern, streng einseitig im Augenbereich, Stirn oder Schläfe, sehr starke Schmerzen, während der Kopfschmerzen eintretende einseitige Augenrötung oder Augentränen, Naselaufen, Schwitzen im Bereich des Schmerzes, einseitig enge Pupille, hängendes Augenlied auf der gleichen Seite des Schmerzes, körperliche Unruhe.

Sekundäre Kopfschmerzen:

Kopfschmerzen durch Kopfverletzung wahrscheinlich bei:

Kopfschmerz nach Kopfverletzung mit oder ohne Bewusstlosigkeit, die bis zu 7 Tage nach der Verletzung auftreten. Die Schmerzen sind meist dauerhaft, dumpf und können je nach Verletzung jede Schmerzstärke erreichen.

Kopfschmerzen durch Gefäßstörungen wahrscheinlich bei:

Der Kopfschmerz ist meistens mittelstark und zeigt keine einheitlichen Schmerzqualitäten, zusätzlich bestehen neurologische Symptome wie Sehveränderungen, Sprachstörungen, Schluckstörungen, Gefühlsstörungen wie Taubheitsgefühl, Benommenheit, Schwindel oder Lähmungen der Arme, Beine oder des Gesichts, die für längere Zeit anhalten. In diesem Fall besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall. Dabei zählt jede Minute, da mit fortschreitendem Untergang des Hirngewebes zu rechnen ist und die neurologischen Symptome ohne ärztlichen Eingriff nicht mehr kuriert werden können.

Beginnt der Kopfschmerz plötzlich und unglaublich stark (sogenannter „Donnerschlagkopfschmerz“) und bestehen oben angeführte neurologische Symptome, besteht der Verdacht auf eine Hirnblutung, sodass ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Ist zusätzlich zum Kopfschmerz die Kopfarterie geschwollen und stark druckschmerzhaft, bestehen ein Sehverlust auf einem Auge oder Schmerzen beim Kauen besteht der Verdacht auf eine Arterienentzündung am Kopf, insbesondere bei wenn diese Symptome nach dem 70. Lebensjahr auftreten. Dabei besteht die Gefahr dauerhaft zu erblinden. Man sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Beginnt ein starker Schmerz plötzlich, mit neurologischen Symptomen, allgemeinem Unwohlsein und vor allem während der Schwangerschaft ist an eine Sinusvenenthrombose zu denken. Dabei entsteht ein Thrombus in einer Kopfvene. Hier sollte ebenfalls sofort der Arzt aufgesucht werden. 

Kopfschmerzen durch Über-/Unterdruck im Gehirn wahrscheinlich bei:

Kopfschmerzen die täglich auftreten, häufig morgens, diffus lokalisiert, dumpf-drückend (nicht pulsierend) sind und bei Husten oder Pressen verstärkt werden. Zusätzlich können neurologische Symptome bestehen wie Sehveränderungen, Doppelbilder, Übelkeit, vor allem morgendliches Erbrechen, Bewusstseinsstörung und Gangunsicherheiten. Hierbei kann eine Druckerhöhung, ein so genannter „Hydrocephalus“ bestehen. Da sich die Symptome im Laufe der Zeit verstärken sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Kopfschmerzen, die bis zu 15 Minuten nach dem Aufstehen verstärkt werden und sich 10 Minuten nach dem Hinlegen wieder bessern und mit Nackensteifigkeit, Ohrgeräuschen, Geräuschempfindlichkeit, Lichtempfindlichkeit oder Übelkeit einhergehen sprechen für ein Unterdrucksyndrom.

 Kopfschmerzen durch Infektionen im Gehirn wahrscheinlich bei:

Kopfschmerzen die diffus lokalisiert, langsam entstehen und allmählich immer stärker werden, dumpf-drückend sind und mit Fieber, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit oder Bewusstseinstrübung einhergehen sprechen für eine Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute (=Encephalitis, Meningitis). 

Kopfschmerzen können auch nach einer Entzündung des Gehirns/der Hirnhäute auftreten. Sie sind begleitet von Schwindel, Konzentrationsstörungen oder Gedächtnisstörungen und können bis zu 3 Monate nach der Entzündung anhalten.

Kopfschmerzen durch bestimmte Substanzen oder deren Entzug wahrscheinlich bei:

Kopfschmerzen, die beidseitig auftreten, vor allem über den Augen oder in der Schläfe lokalisiert sind, pulsierend sind und bei körperlicher Aktivität verstärkt werden und nach Einnahme bestimmter Substanzen auftreten, sprechen für eine „Vergiftung“ durch diese Substanz. Oft handelt es sich dabei um Alkohol, Kokain oder Cannabis.

Einige Medikamente können ebenfalls diese Art von Kopfschmerzen auslösen. Dabei ist zu beachten, dass die Schmerzen innerhalb von Minuten bis Stunden nach Medikamenteneinnahme auftreten und spätestens 72 Stunden nach Absetzen der Medikamente wieder verschwinden. 

Kopfschmerzen vorbeugen

Sekundäre und tertiäre Kopfschmerzen kann man nicht so einfach vorbeugen. Therapeutisch muss man die Ursache bekämpfen und die Schmerzen zu lindern. Hingegen Primäre Kopfschmerzen können häufig durch bestimmte Verhaltensweisen verhindert oder zumindest gemildert werden. Auf Folgendes sollte geachtet werden:

  • Viel trinken
  • Regelmäßige Entspannung (autogenes Training, Yoga usw.)
  • Regelmäßige Gymnastik
  • Ausdauersportarten
  • Alkohol und Zigaretten meiden

Was tun bei Kopfschmerzen?

Bestehen Kopfschmerzen ohne warnende neurologische Symptome (siehe oben), hilft es meistes sich hinzulegen, zu schlafen oder zu entspannen. Sollte diese Maßnahmen nicht helfen können leichte Schmerzmittel wie Paracetamol, Aspirin oder Ibuprofen eingesetzt werden. Bei Aspirin ist nur zu bedenken, dass es gleichzeitig das Blut geringfügig verdünnt und damit bei Kopfschmerzen nach einer Verletzung nicht eingenommen werden sollte. Werden durch diese Medikamente die Schmerzen nicht besser, sollte spätestens jetzt ein Arzt aufgesucht werden. Der Hausarzt ist hier die erste Anlaufstelle. Oft hilft es den Medizinern, wenn Patienten ein Kopfschmerztagebuch führen. Bei neurologischen Symptomen wie oben beschrieben, sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursachen möglicher sekundärer Kopfschmerzen zu bekämpfen.   

Kopfschmerztagebuch

Ein Kopfschmerztagebuch dient dem Arzt, ein bestimmtes Muster und eine mögliche Ursache anhand der in das Tagebuch geschriebenen Angaben zu finden. Dabei ist ein Kopfschmerztagebuch nur sinnvoll, wenn man unter immer wieder auftretenden Kopfschmerzen leidet. Es sollten möglichst alle oben aufgeführten Schmerzqualitäten in das Schmerztagebuch geschrieben werden. Auslösende oder lindernde Faktoren und Eigentherapieversuche sind äußerst wichtig. Wenn man so ein Tagebuch gewissenhaft führt, verkürzt man den Zeitraum bis zur endgültigen Diagnose und einer möglichen effektiven Therapie. 

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