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Wenn die Brust mal drückt

Das Symptom „Brustschmerz“ kann die unterschiedlichsten Ursachen haben und dabei verschiedene Schmerzqualitäten aufweisen. Neben vielen relativ harmlosen Ursachen wie Sodbrennen, Luftansammlungen im Magen, Verspannungen und Angststörungen können natürlich auch lebensgefährliche Erkrankungen wie Herzinfarkt, Lungenembolie und  Luftansammlungen zwischen Lunge und Lungenfell (Pneumothorax) dahinter stecken. Daher ist es umso wichtiger sogenannte „Warnsymptome“ zu kennen und richtig einzuordnen, um eine mögliche ärztliche Behandlung einzuleiten.  Prinzipiell gilt, dass man bei neu aufgetretenen starken Schmerzen, die bisher nie in dieser Form aufgetreten sind oder länger als gewohnt andauern, der Arzt aufgesucht werden sollte. Bei Brustschmerzen sollte lieber ein Mal mehr der Arzt aufgesucht werden! In diesem Beitrag sollen die häufigsten möglichen Ursachen aufgezeigt werden. Dabei werden zuerst die „harmloseren“ Ursachen besprochen bevor die lebensgefährlichen Erkrankungen erörtert werden.

Jede mögliche Erkrankung verursacht unterschiedliche Symptome –  in diesem Fall Schmerzqualitäten. Man unterscheidet folgende Qualitäten:

  • Lokalisation des Schmerzes: über der Brust, links, rechts, an der Seite, am Rücken. 

(Weiterhin ist es wichtig, ob der Schmerz in einem umschriebenen Gebiet oder ganz diffus auftritt.)

  • Schmerzart: Stechend, brennend, dumpf, drückend
  • Zeitlicher Verlauf: Ist der Schmerz dauerhaft oder nur zeitweise, hat er sich seit dem ersten Auftreten verändert?
  • Ausstrahlung: Strahlt der Schmerz in eine bestimmte Richtung aus?
  • Beeinflussende Faktoren:
    • Ist der Schmerz atemabhängig?
    • Tritt er vermehrt bei Belastung auf oder in einer bestimmten Körperhaltung?
    • Gibt es weitere Faktoren die den Schmerz fördern/hemmen?

Im Zusammenspiel dieser Schmerzqualitäten und möglichen zusätzlichen Symptomen kann man Verdachtsdiagnosen definieren.

Tritt ein brennender Schmerz in der Mitte der Brust (hinter dem Brustbein)  und vor allem nach dem Verzehr von süßen Speisen wie beispielsweise Kuchen oder Gummibärchen auf, ist Sodbrennen (Refluxösophagitis) als Ursache wahrscheinlich. Oft wird der Schmerz durch Liegen, also vermehrt nachts, durch Bücken oder Heben verstärkt. Zusätzlich berichten Patienten häufig von einem morgendlichen Gefühl, als ob die Kehle brennen würde. Der Schmerz wird ebenso oft von saurem Aufstoßen begleitet. Die Diagnose kann auf verschiedene Art und Weise gestellt werden: Entweder man führt eine Magenspiegelung durch, die eine gereizte Speiseröhre aufzeigen kann oder man setzt gleich sogenannte „Protonenpumpenhemmer“ ein. Durch diese Medikamente wird die Magensaftproduktion abschwächen.  Wenn unter dieser Therapie die Symptome verschwinden, weiß man, dass Sodbrennen als Ursache für die Schmerzen angesehen werden kann.

Sollte der Brustschmerz eher als Druckgefühl mit Herzklopfen, Kurzatmigkeit, Schwindel und Angstgefühl einhergehen und vor allem nach dem Essen auftreten, kann auch ein so genanntes Roemheld-Syndrom dahinter stecken. Bei Verzehr von blähenden Speisen (Sauerkraut, Bohnen, Kohl, Zwiebeln, Lauch) bzw. Getränken (kohlensäurehaltige Getränke, Bier, Sekt, Übermaß an Kaffee) oder bei einem Magenbruch kann sich vermehrt Luft im Magen ansammeln. Diese Luft drückt nun von Unten auf die Lunge und auf das Herz, wodurch die Kurzatmigkeit und das Herzklopfen erklärt werden kann. Oft hilft bereits das Verzichten von blähenden Speisen. Sollten die Beschwerden trotzdem weiterbestehen, ist ein Arztbesuch in jedem Fall sinnvoll. Eine Magenspiegelung könnte weiteren Aufschluss darüber geben, ob tatsächlich ein Magenbruch besteht, der therapiebedürftig ist.

Atemabhängige, langsam auftretende Schmerzen die mit Luftnot, (nicht so stark ausgeprägt), Fieber und Hustenreiz einhergehen könnten ebenfalls durch eine Brust-/Rippenfellentzündung entstehen. Dabei verklebt das Rippenfell und führt zu den Schmerzen. Manchmal hört man selbst beim Einatmen das Reiben des Rippenfells. Ursächlich können Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen gefunden werden, aber auch andere Erkrankungen wie Lungenentzündungen, Bauchspeicheldrüsenentzündungen oder Lungenembolien können im weiteren Krankheitsverlauf zu einer Rippenfellentzündung führen. Therapeutisch werden Schmerzmittel und Medikamente gegen den Hustenreiz eingesetzt, sowie strenge Bettruhe empfohlen. Bei Infektionen würde man zusätzlich Antibiotika, Virostatika oder Antimykotika einsetzen oder das Grundleiden (s.o.) behandeln.

Starker, oberflächlicher, brennender Schmerz der Haut am Brustkorb, der einseitig, horizontal bzw. entlang der Rippen verteilt ist und mit Müdigkeit und kleinen Bläschen in dieser Region vergesellschaftet ist, spricht stark für eine Gürtelrose (Herpes Zoster). Es ist sehr wichtig zu wissen, dass die Gürtelrose sehr ansteckend ist. Man sollte die Hautstellen nicht berühren und vor allem den Kontakt zu Schwangeren meiden, da diese Infektion das Kind schädigen kann. Prinzipiell wird eine Impfung gegen den Varizella-Zoster-Virus empfohlen. Therapeutisch kann man bei starkem Befall Virostatika einsetzen. Symptomatisch wird aber mit Schmerzmitteln behandelt. 

Bei Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans), einer wahrscheinlich autoimmunbedingten Erkrankung, bei der es bereits im Jugendalter zur langsamen Versteifung von Gelenken mit Schmerzen und zunehmender Bewegungsunfähigkeit kommt, können ebenfalls Brustschmerzen auftreten. Diese Schmerzen sind vor allem bewegungsabhängig (können auch atemabhängig sein) und äußern sich meist dauerhaft und haben eher einen dumpf-drückenden Charakter. Da sich diese Erkrankung nicht primär als Brustschmerz äußert, wird auf diese Erkrankung nicht weiter eingegangen.

Starke, dumpf-drückende Schmerzen, die Ursprünglich aus dem Oberbauch in den Brustkorb (vor allem hinter das Brustbein) und den Rücken ziehen und dabei mit Übelkeit, Erbrechen, gebähtem Bauch, Verstopfung und Fieber einhergehen, machen eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) wahrscheinlich. Diese Schmerzen sind atemunabhängig und werden durch Essen verstärkt. Diese Entzündung kann durch Alkoholgenuss und durch Gallensteine verursacht werden und bedarf bei schwerem Verlauf einer stationären Behandlung. Oft ist das Essen durch die Starke Übelkeit überhaupt nicht möglich. In selteneren Fällen können auch Viren, Tumoren oder Medikamentennebenwirkungen für die Pankreatitis verantwortlich sein. 

Allmählich beginnende, stechende Schmerzen hinter dem Brustbein, die häufig zusammen mit einer schnellen Atemfrequenz und Fieber auftreten und im Liegen, beim Husten, beim tiefen Einatmen und beim Sport schlimmer werden können durch eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) verursacht werden. Diese Verdachtsdiagnose wird erhärtet, wenn vor 2-3 Wochen vor den Schmerzen bereits ein grippaler Infekt aufgetreten ist oder eine Autoimmunerkrankung als Grunderkrankung vorliegt. Bei dem Verdacht auf eine Perikarditis sollte ein Arzt aufgesucht werden, der mit einem Stethoskop das Herz abhören, ein EKG schreiben und eine Röntgenaufnahme der Brust durchführen lassen kann. Therapeutisch ist eine Bettruhe empfohlen. Schmerzmittel können gegen die stechenden Schmerzen gut helfen. Bei Nachweis von einer Infektion mit Bakterien oder Pilzen könnten diesbezüglich Antibiotika oder Antimykotika verabreicht werden.

Plötzliche, atemabhängige, ziehende Schmerzen, die vor allem beim Einatmen schlimmer werden und hauptsächlich nur auf einer Brustseite auftreten zusammen mit Luftnot machen einen Pneumothorax sehr wahrscheinlich. Zusätzlich können sich ein starker Hustenreiz, blaue Lippen und ein schneller Herzschlag einstellen. Der Pneumothorax entsteht durch Eindringen von Luft zwischen die Lungenflügel und das Brustfell. Dadurch wird die Ausdehnung der Lunge behindert und es entstehen die Luftnot und der Schmerz. Risikofaktoren dafür sind vor allem ein schlanker Körperbau, Rauchen und chronische Lungenerkrankungen wie beispielsweise COPD. Wie schon eingangs erwähnt, sollte bei so einem Schmerzverlauf (plötzlich, stark mit Luftnot) der Notarzt gerufen werden, da sich die Luftnot mit jedem Atemzug verschlimmern kann. Ein Röntgenbild der Lunge zeigt in diesem Fall das Abweichen der Lunge vom Brustkorb. Im Rahmen einer stationären Aufnahme wird ein Schlauch zwischen die Rippen in den Raum zwischen Lunge und Brustfell gelegt und die Luft abgepumpt. Anschließend wird dieser Schlauch wieder gezogen. Das Risiko für einen erneuten Pneumothorax ist deutlich erhöht, wenn man bereits einen durchlaufen hat.

Schmerzen wie bei einem Pneumothorax könnten auch durch eine Lungenembolie verursacht werden. Zusätzlich kann ein niedriger Blutdruck bestehen und ein Bluthusten auftreten. Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die für eine Lungenembolie sprechen:

  • Bestehende Thrombose der Beine (häufigste Ursache für eine Lungenembolie) 
  • Lange Immobilisationszeiten (Langstreckenflug, Bettlägerigkeit)
  • Krebsleiden
  • Operationen in letzter Zeit
  • Chemotherapie
  • Schwere bestehende Herz- oder Lungenerkrankung
  • Pilleneinahme (als Verhütungsmittel)
  • Schwangerschaft

Wie beim Pneumothorax wäre eine stationäre Aufnahme notwendig. Sauerstoffgabe, eine Blutverdünnung und Schmerzmedikamente müssten verabreicht werden. Ebenso muss die Grunderkrankung gefunden und behandelt werden.

Bei Brustschmerzen denkt man am häufigsten an einen Herzinfarkt. Der Schmerz ist dumpf-drücken (scharf-stechende Schmerzen sprechen eher gegen einen Herzinfarkt), setzt plötzlich ein und kann in den linken Arm, in den Unterkiefer, in den Rücken oder in den Oberbauch ausstrahlen. Zusätzlich besteht ein Engegefühl der Brust. Dabei treten zusätzlich Kaltschweißigkeit mit Blässe, Luftnot, Herzrhythmusstörungen, eine Todesangst, Bewusstseinstrübung und Übelkeit auf. Allgemeine Risikofaktoren sind Rauchen, Bluthochdruck, die Zuckerkrankheit, Fettstoffwechselstörungen, Stress, übermäßiger Alkoholgenuss und vorbestehende Herzerkrankungen. Bei dem Verdacht eines Herzinfarktes sollte sofort der Notarzt gerufen werden.

Finden sich selbst nach ausführlicher Diagnostik keine organischen Ursachen für Brustschmerzen, spricht man von einer Herzneurose. Diese Erkrankung ist eine Angststörung und kann prinzipiell die gleichen Symptome wie ein Herzinfarkt zeigen (Brustschmerz, die in den linken Arm ausstrahlen, Engegefühl der Brust, Herzklopfen, starkes Schwitzen, Händezittern, Todesangst und Atemnot). Dabei führt die Angst vor einem Herzinfarkt selbst zu den o.g. Symptomen. Meistens sind die betroffenen Personen davon überzeugt, dass eine organische Ursache der Schmerzen vorliegt. Hier empfiehlt sich eine Verhaltenstherapie kombiniert mit Antidepressiva oder Antiepileptika. Trotz der fehlenden organischen Ursache sollte diese Erkrankung ernst genommen werden, da dieser erhöhte psychische Stress tatsächlich zu Herzproblemen führen kann. 

Ein vernichtender, plötzlich einsetzender, stechend-bohrender Brustschmerz, der hauptsächlich im Rücken lokalisiert ist und zwischen den Schulterblättern nach unten zieht ist ein absolutes Alarmsignal, das für eine Aortendissektion spricht. Dabei reißt die Hauptschlagader ein und es kann zu starkem Blutverlust in den Brustraum führen. Durch den Schmerz selbst werden die meisten Patienten bewusstlos. Hinzu kommen Luftnot, Lähmungserscheinungen oder Arm-/Beinschmerzen. Bei solchen Symptomen sollte sofort der Notarzt gerufen werden, da die Prognose dieser Erkrankung katastrophal ist. 

Zusammenfassung

Brustschmerzen können neben zahlreichen harmlosen Ursachen auch lebensgefährliche Erkrankungen als Ursache haben. Symptome, die für eine dringende notärztliche Behandlung sprechen sind:

  • plötzlicher Schmerzbeginn
  • sehr starke Schmerzen
  • lange anhaltende Schmerzen
  • Schmerzen die in den linken Arm, die Unterkiefer, den Rücken oder in den Oberbauch ausstrahlen
  • Luftnot
  • Bewusstlosigkeit
  • Engegefühl der Brust
  • Herzstolpern (Herzrhythmusstörungen)
  • Starke atemabhängige Schmerzen
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